2. Essay
Diskutiere die wichtigsten Aussagen der Werke „Die Gabe“ von Marcel Mauss und „Rites de Passage“ von Arnold Van Gennep. Wie sind die beiden Autoren im Kontinuum ausgehend vom Durkheim’schen Werk bis zum Strukturalismus einzuordnen? I. MARCEL MAUSS: 1.1. kurze Biographie
Marcel Mauss wurde am 10.05.1872 in Épinal geboren. Sein Onkel, der uns bekannte Émile Durkheim, erkannte schon sehr früh die Begabung seines Neffen und förderte diesen. Er studierte Jura, Philosophie, Psychologie, Soziologie, indo-europäische Linguistik, Sanskrit, Hebräisch, Religionsgeschichte und Indologie. 1901 wurde er Maître de Conférences d’Histoire des Religions des Peuples non Civilisés an der École Pratique des Hautes Études in Paris, seit 1907 Directeur d’Études Adjoint seit Februar 1938 Président de la Vème Section de l’École Pratique des Hautes Études. 1939 tritt Marcel Mauss wegen antisemitischer Tendenzen unter der Kollegenschaft zurück. Gemeinsam mit seinem Onkel Émile Durkheim war er der Herausgeber der Zeitschrift „L’Année sociologique“. Während des ersten Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. 1925 gründete er gemeinsam mit Lucien Lévy-Bruhl und Paul Rivet das „Institut d’Éthnologie“ an der Sorbonne in Paris. 1931 wurde er Professeur de Sociologie am neu geschaffenen Lehrstuhl am Collège de France in Paris. Marcel Mauss verstarb am 11.02.1950 in Paris. Seine berühmtesten Schüler waren Jean Rouch, Michel Leiris, Roger Caillois, Louis Dumont, Claude Lévi-Strauss und Henri Lévy-Bruhl. [1]
„Mauss veröffentlichte kein Buch in seinem Namen und sein bekanntes Die Gabe erschien im Original in der Zeitschrift L’année Sociologique, die Mauss nach Durkheims Tod 1917 selbst herausgab.“ [2]
Es gibt 3 Phasen von Riten:
1. die Phase der Ausgliederung aus dem Alltag = Trennung und Absonderung von der Gemeinschaft
2. die Phase in der das Alte nicht mehr gilt und das Neue noch nicht gilt = raum- und zeitlos = Klausur
Die Zeit des Übergangs wird auch Liminalität genannt. Meist erfolgt hier Einsatz von Drogen und alternativen Körpertechniken, ist jedoch kein Muss.
3. die Phase der Wiedereingliederung in den neuen Alltag
[9]
Rituale besitzt jede Gesellschaft auf der Welt. Regelmäßig wiederkehrende Handlungsabläufe die sich in Form und Inhalt vom Alltag unterscheiden. Ein Ritual muss eine zeitliche Komponente haben. Übergänge von Kindheit zu Jugend usw. sind immer von Ritualen begleitet um bewältigt werden zu können. Sie stellen Ordnung her wo gefährliches droht. Sie sind wie eine Form der Kontrolle über die Ordnung des sozialen Lebens. Auch religionsunabhängig, zum Beispiel: vor Prüfungen, Auftritten usw.
Rituale haben den Zweck zu stabilisieren oder zu hinterfragen.
Mädchenrituale, wie zum Beispiel das erste Eintreten der Menstruation, gehören nicht dazu. Victor Turner und Edmund Leach verbesserten diese Aussage.
Sowohl Mauss als auch Van Gennep waren keine großen Feldforscher. Sie stützten sich auf Berichte die von Männern geschrieben wurden. Die Menstruation als ritualisierter Übergang wurde dort nicht erwähnt.
Auch in der modernen Gesellschaft gibt es Riten jedoch sind sie nicht mehr so wichtig wie sie es früher mal waren. Die Hochzeit, Firmung, Erstkommunion oder Taufe hat an Bedeutung verloren. Nur das Begräbnis ist ein Ereignis von großer Wichtigkeit. [10]
III. Kontinuum von Durkheim zum Strukturalismus:
Durkheim, Mauss und Van Gennep sind die letzte Generation der „armchair anthropologists“. Sowohl Mauss als auch Van Gennep wurden von Durkheim beeinflusst. „Marcel Mauss’s zwei einflussreichste Anhänger waren Claude Lévi-Strauss und Louis Dumont. Die Einwirkung von seiner Arbeit war für beide sehr stark.“ [11]
Lévi-Strauss entwickelte einen neuen Ansatz wie man Verwandtschaft definiert er über die Heirat. Er ist der Begründer des Strukturalismus. Victor Turner und Edmund Leach verfeinerten Van Genneps Aussagen und bauten auf seinem Grundgerüst weiter.
Émile Durkheim stellte den Bezug wischen Gesellschaft und Individuum, aber auch Themen einzelner Verhaltensweisen (z.B. Selbstmord) in den Mittelpunkt seiner Arbeiten. Diese Ansicht wurde von Mauss und Van Gennep weitergeführt. Später sahen die Strukturalisten die Gesellschaft nicht mehr als eine strukturelle Form sondern als Struktur von Ideen. [12]
„Durkheim und besonders Mauss waren eine Inspiration für Anthropologen von verschiedenen theoretischen Perspektiven.“ [13]
Quellen:
[1]: Vgl. http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/mauss/31bio.htm
(10.01.2006)
Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Mauss (10.01.2006)
[2]: Eriksen, Thomas Hylland: Small Places, Large Issues. An Introduction to Social and Cultural Anthropology. Second edition. Sterling 2001. Seite 17
[3]: Vgl. Eriksen, ebenda, Seite 181
[4]: Eriksen, ebenda, Seite 182
[5]: Eriksen, ebenda, Seite 182
[6]: Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology. Cambridge 2000. Seite 65
[7]: Vgl. http://www.grin.com/de/preview/27832.html (11.01.2006)
Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_van_Gennep (11.01.2006)
[8]: Eriksen, ebenda, Seite 137
[9]: Vgl. Eriksen, ebenda, Seite 137, 138
[10]: Vgl. Eriksen, ebenda, Seite 140
[11]: Barth, Gingrich, Parkin, Silverman: One discipline four ways: British, German, French and American. Chicago and London2005: Parkin, Robert: Seite 208
[12]: Vgl. Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology. Cambridge 2000. Seite 127
[13]: Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology. Cambridge 2000. Seite 65
